Temperamentvolles Klang-Feuerwerk

Natürlich dürfen, denkt man eben an Puszta und Paprika, die „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms nicht fehlen. Insgesamt 21 davon hat der ungar-begeisterte Brahms geschrieben. Ab 1852 sammelte Brahms ungarische Melodien, welche irrtümlicherweise für ungarische Bauern- oder Zigeunermusik gehalten wurden. Dieses Melodiengut stammt aber von Komponisten und Nachfolgern des ungarischen Adels im 19. Jahrhundert – was der Begeisterung für diese temperamentvollen Stücke mit ihren abrupten Tempowechseln und krassen Moll-Dur-Gegensätzen bis zum heutigen Tage keinen Abbruch tut.

Jenes Klang-Feuer und rhythmische Temperament setzt das Künstler- und Musikpädagogen-Ehepaar Petra und Jürgen Weiß mit großem Elan vierhändig am Flügel um. Eruptive Fortepassagen gesellen sich zu unmittelbar hauchzart herausgespielten Pianopassagen. Die komplexe Thematik der Stücke wird klar differenziert herausgearbeitet. Auf den Punkt gebracht die oft leicht verzögerten, synkopischen Einsätze die ebenfalls ein typisches Merkmal jener Tänze sind, deren Vorlagen Brahms als „wild und daher unbequem aufzuschreiben“ empfand. Überhaupt scheinen sich die beiden Pianisten blind aufeinander verlassen zu können, insbesondere dann, wenn es heißt, scheibchenweise das Tempo anzuziehen oder rauszunehmen. Zuvor erfreuen Petra und Jürgen Weiß ihr Publikum mit dem „slawischen Tanz“ in e-Moll von Antonin Dvořák, der in einer ganz feinen-luftigen Eleganz intoniert wird.

Mit den sogenannten „Zigeunermelodien“ op 55. von Antonin Dvořák, dargeboten von den beiden PHM-Dozenten Bettina Weber (Sopran) und Waldemar J. Jarczyk am Klavier, wird ein weiteres Klischee bedient. Denn bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die ungarische Musik irrtümlicherweise mit der Zigeunermusik gleichgesetzt. Diese Vorstellung hat sich besonders im Ausland so tief eingewurzelt, dass, wenn von ungarischer Volksmusik die Rede ist, sie meist eben fälschlicherweise mit Zigeunermusik identifiziert wird. Weber jedenfalls geht die Stücke mit Herz und großem Stimmvermögen an, lässt dabei auch der Textausdeutung viel Raum. Jarczyk bereitet an den Tasten ein absolut sicheres Fundament immer ein gutes Ohr für seine Gesangspartnerin habend. Auch die zuvor dargebotenen anspruchsvollen „ungarischen Volkslieder“ aus der Feder von Zoltan Kodály, die nun tatsächlich unverfälscht ungarisch daherkommen, stellen für das eingespielte Duo keine Stolpersteine dar.     

Von großer Professionalität und auch Souveränität geprägt dann der Auftritt von Anna-Maria Barth an der Violine in Begleitung von Jens J. Troester am Flügel. Beide Künstler sind feste Mitglieder der „Neuen Philharmonie Frankfurt“, wobei Troester nunmehr auch als künstlerischer Leiter des Orchesters fungiert. Kommen zunächst zur Freude des Publikums einige markante „Gypsy-Melodien“ wie „Ungarische Phantasie“ oder „Schlittenfahrt“ zu Gehör, so laufen die beiden Solisten mit Brahms „Ungarischen Tänzen“ zur Hochform auf. Gar nicht genug bekommen kann das Publikum vom „Tanz Nr. 5 in fis-Moll“, der an diesem Abend insgesamt gleich drei Mal ertönen muss. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen glänzt Barth hier mit rhythmischer Finesse und stringenter Bogenführung, tariert dazu die Tempi fein aus. Troester hat fortwährend ein sensibles Ohr für seine Partnerin, stellt sich dabei ganz in den Dienst der Begleitung und unterstützt somit die freie Entfaltung von Barth an der Violine. Mit Montis berühmten „Csárdás“ wird dann ein in sich gelungener und vom PHM-Schulleiter Jörn Pick profund-heiter moderierter Abend beschlossen, der einmal mehr zeigt, dass man klassische Musik sehr wohl auch in einem lockeren Rahmen darbieten kann, ohne sich dem Vorwurf der Banalität oder gar der Profanität preiszugeben.

 

 

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